Anthropologische Untersuchung der Skelette aus den Gräbern der ehemaligen Pfarrkirche Erkelenz-Immerath (Alt)
Im Vorfeld des Braunkohletagebaus Garzweiler (Kreis Heinsberg) musste die Pfarrkirche St. Lambertus des Ortes Erkelenz-Immerath abgebrochen werden. Nach den Abrissarbeiten erfolgten 2018/19 Ausgrabungen durch die Außenstelle Titz des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland. Im zweiten Grabungsjahr kamen zahlreiche Gräber zutage. Innerhalb des Kirchenbaus konnten 88 Bestattungen vollständig geborgen werden, die anthropologisch untersucht werden sollten. Die Begräbnisse reichten bis ins hohe Mittelalter zurück, besonders im Mittelschiff dürften sie jedoch überwiegend aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen.
Kirchen sind in Mittelalter und Früher Neuzeit wichtige Bestattungsorte, dabei stellt die Kircheninnenbestattung eine besondere Kategorie dar. Der Platz im Inneren des Kirchenbaus erschien im Kontext der christlichen Vorstellungen als eine für das Seelenheil besonders begünstigte Lage für die Grabstätte. Bischöfe, Äbte und würdige Priester erhielten ein Anrecht auf ein Kirchengrab und ab dem 12. Jahrhundert wurden auch fromme Laien zum Begräbnis in Kirchen zugelassen. Ab dem 13. Jahrhundert wird intensiver in Kirchen bestattet, wobei sich dieser Brauch bis in die Neuzeit fortsetzte.
Die osteoanthropologische Untersuchung der geborgenen Skelette fand nach den aktuellen Methoden statt, wobei die Individualdaten wie Sterbealter, Geschlecht und Körperhöhe erhoben wurden. Weiterhin ist die Krankheitsbelastung erfasst worden. Von den insgesamt zur Verfügung stehenden 88 Gräber stellen 60 Bestattungen tatsächlich Kirchengräber dar, die übrigen 28 waren ursprünglich auf dem umliegenden Kirchhof angelegt und im Zuge der Erweiterungen des Kirchenbaus überbaut worden. Im Rheinland gibt es bislang nur wenige Vergleichspopulationen, die anthropologisch untersucht und publiziert wurden. Die Ergebnisse der vorliegenden Skelette aus St. Lambertus sind daher ein wichtiger Beitrag zur Erforschung der vorindustriellen Bevölkerung dieser Region. [...]
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Foto: Bettina Jungklaus